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Das Grätschen der Saugferkel

Tiergesundheit

Das Grätschen der Saugferkel:

Das Spreizen oder Grätschen der neugeborenen Ferkeln ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, das unter ungünstigen Haltungsbedingung zu erheblichen und wirtschaftlich nicht tragbaren Ferkelverlusten führt.
Meist sind mehrere Ferkel eines Wurfs betroffen.
Sie sitzen mit gespreizten Hinterbeinen und können nicht oder nur sehr schwer aufstehen. Weil sie die Zitzen kaum erreichen und nur wenig Kolostralmilch aufnehmen können, leiden sie an Unterernährung und Abwehrschwäche. Sie sterben oft durch Erdrückung durch die Mutter, weil sie nicht ausweichen können, oder an Schwäche.

Ursachen für Grätscher
Die Ursache der Krankheit ist nicht vollständig aufgeklärt. Sie tritt insbesondere bei Schweinen moderner Zuchtrichtung auf, so dass teilweise eine erbliche Veranlagung angenommen werden kann. Bei einem Teil der Spreizerferkel entspricht die Entwicklung der Beinmuskulatur dem eines ungeborenen Ferkels am 80. bis 100. Trächtigkeitstag.

Erblichkeit
Häufig treten Grätscher auf einem Betrieb wiederholt bei ganz bestimmten Eber - und Sauenlinien auf. Eine sorgfältige Dokumentation über einen Sauenplaner kann darüber Auskunft geben.

Stress
Haltungsbedingte Stressfaktoren können die Krankheit fördern. Für Stress als Auslöser spricht die Beobachtung, dass Sauen, die tragend aus belasteten Betrieben verkauft werden, im neuen Betrieb unter veränderten Haltungsbedingungen keine Spreizferkel gebären. Stichworte sind hier: Gesundheit, Parasitenbefall, Besatzdichte, Bewegungsarmut während der Trächtigkeit, Stallklima, Hygiene, Fütterung, Liegeflächen und Stallböden.

Cholinmangel
Viele Berichte und auch eigene Beobachtungen in der Praxis weisen bei einem Teil der Fälle auf einen Zusammenhang mit einer Unterversorgung an Cholinchlorid bei Sauen hin.
Grundsätzlich muss einem Sauenfutter zwischen 300 bis 500 ppm Cholinchlorid zugesetzt werden. Treten Grätscher auf, so sollten dem Futter der tragenden Sauen 1000-1500 ppm Colinchlorid zugesetzt werden.

Untergewicht
Die meisten Grätscher sind untergewichtig und kommen in großen Würfen vor. Das Geburtsgewicht der Ferkel ist entscheidend für die Anpassungsfähigkeit der Neugeborenen an das Leben außerhalb des schützenden Mutterleibes. Gründe für untergewichtige Ferkel können in Fütterungsfehlern der tragenden Sauen liegen.

Mykotoxine
Für untergewichtige Ferkel können auch Mykotoxine verantwortlich sein. Auch hier muss im Bestand nach weiteren Symptomen gesucht werden. Bei Sauen sind dies: Milchmangel, Umrauschen, Dauersterilität und Gebärmutterentzündung. Ferkel kümmern, verhungern durch den Milchmangel, werden tot geboren und haben geringe Geburtsgewichte.

Frühgeburten, Lebensschwäche
Früh geborene Ferkel neigen häufig zum Grätschen. Dies gilt auch für Geburten, die zu früh medikamentell eingeleitet wurden. Lebensschwache und grätschende Ferkel werden nicht selten bei Parvovirusinfektionen beobachtet. Obwohl in den meisten Betrieben planmäßig gegen Parvovirus geimpft wird, treten dennoch Impfdurchbrüche infolge Schwächungen des Immunsystems (Vomitoxin, Stress,..) oder Impffehler auf.

Behandlungsversuch
Ein Behandlungsversuch kann durch das lockere Zusammenkleben der Hinterbeine im Abstand von 4 cm mit 1,5 cm breitem Textilpflaster unter den Sprunggelenken unternommen werden. Zusätzlich muss den Ferkeln durch Anlegen an die Zitzen über die ersten Lebenstage geholfen werden. Überleben die Ferkel diese ersten Lebenstage, können sie sich normal entwickeln.

Keine Patentlösung
Eine Reihe unseriöser Futtermittelvertreter verkaufen betroffenen und verzweifelten Landwirten für viel Geld meist wirkunglose "Spezialfuttermittel", ohne sich näher mit den spezifischen Problemen eines Betriebes zu beschäftigen. So verstreicht wertvolle Zeit, die Verluste summieren sich. Es sind immer mehrere Faktoren für das Auftreten dieses Problems verantwortlich. Es ist in jedem Fall erforderlich, dass der Betrieb eingehend "durchleuchtet" wird. Eine Patentlösung gibt es nicht.

 
         
       
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