Leistungen
Fachthemen
aktuelle Fall
 
PRRS u. Circovirus bei Mastschweinen

PRRS Mastschweine

PRRS und Circovirus in der Schweinemast – müssen wir in Zukunft damit leben ?


Zwei neue Viren mit einer Vielzahl klinischer Erscheinungsbilder haben in den letzten Jahren weltweit die Schweinebestände befallen. Das PRRS Virus und das Porcine Circovirus Typ 2 (PCV 2).

Seit Anfang bis Mitte der 90-er Jahre ist  durch das Auftreten des PRRS-Virus in den Schweinebeständen kein Stein auf dem anderen geblieben. Expertenschätzungen zur Folge, wird durch dieses neue Virus, dessen österreichische Erstisolierung im Jahre 1993 in Oberösterreich war, der Schweineproduktion ein Schaden von € 236.- / Zuchtsau und 7,5 € bis 15 € / Mastschwein zugefügt.

Allein in den USA wird trotz größter Anstrengungen in der Erforschung dieser Krankheit, der durch PRRS verursachte jährliche Schaden auf $ 600 Mio. geschätzt. Damit stellt PRRS zweifellos die wirtschaftlich bedeutsamste Schweinekrankheit dar.

In Österreich sind ca. 50% der Betriebe PRRS positiv.

 

Das Circovirus (PCV 2)

Das PCV 2 ist weltweit vorhanden und es kann sowohl in gesunden als auch in kranken Tieren nachgewiesen werden. Verschiedene Faktoren, die zur Auslösung der verschiedenen Krankheitsbilder führen sollen,  wie Koinfektionen mit Parvovirus, PRRSV oder Mykoplasma hyopneumoniae, werden diskutiert. Ebenso der Einfluss von Impfungen, Genetik und Umwelt.

Verschiedene PCV 2 assoziierte Syndrome werden heute unterschieden:

  • Post-weaning multisystemic wasting Syndrome (PMWS)
  • Porcine Dermatitis and Nephropathy Syndrome (PDNS)
  • PCV 2-assoziierte Fruchtbarkeitsstörungen
  • PVC 2-assoziierte proliferative, nekrotisierende Pneumonie (PNP)
  • PCV 2-assoziierte Enteritis
  • PCV 2-assoziierter Congenitaler Tremor u. ZNS Erkrankungen
  • PCV 2-assoziierte Perinatale Myocarditis bei Ferkeln

In der Schweinemast sind vor allem die PVC 2-assoziierte proliferative, nekrotisierende Pneumonie (PNP) oder deren Folgen von Bedeutung, sowie das Porcine Dermatitis and Nephropathy Syndrome (PDNS), welches in letzter Zeit in Österreich immer häufiger in oft gesunden frohwüchsigen Mastschweinegruppen meist vereinzelt auftritt. Bisher waren eher Absetzferkel von diesem Krankheitssyndrom betroffen.

 

Das PRRS Virus

Die Infektion mit dem PRRSV erfolgt vor allem nasal und oral. Wobei es bereits 12 Std. nach der Virusaufnahme zum Auftreten des Virus im Blut kommt, wo es bis zu 30 Tage verbleiben kann. Die Virusvermehrung findet hauptsächlich in der Lunge (Alveolarmakrophagen) statt. Die Ausscheidung erfolgt über Speichel, Harn, Kot, Samen. Außerhalb des Tieres kann es mehrere Tage infektiös bleiben.  

 

Der porcine respiratorische Komplex (PRDC)

Die klinische Ausprägung einer Infektion mit dem PRRSV, die sehr vom Virusisolat und vom Alter der Tiere abhängig ist, liegt beim Mastschwein in erster Linie in einer Mitbeteiligung des PRRSV im porcinen respiratorischen Komplex (PRDC).  Dieser Krankheitskomplex  besteht aus bakteriellen und viralen Krankheitserregern, deren klinisches Auftreten durch Umwelt- und Managementfaktoren  beeinflusst wird. Das Erregerspektrum besteht meist aus Schweineinfluenzavirus (SIV), PRRS Virus, und Mykoplasmen als Primärerreger und Streptokokken, Hämophilus parasuis, Pasteurellen und respiratorische Coronaviren (PRCV) als Sekundärerreger. Verringerte tägliche Zunahmen, erhöhte Ausfälle und eine schlechtere Futterverwertung der kranken Mastschweine sind die Folge. Als Faustzahl wird angegeben, dass 10 % zerstörtes Lungengewebe eine Depression der täglichen Zunahmen von ca. 3 % verursachen soll.

Faktoren, die den PRDC verschlimmern sind:

  • Früher Infektionszeitpunkt (3 – 8 LW) mit PRRSV
    • Streptokokken, Hämophilus sind häufig Begleitkeime in diesem Alter
    • Sehr schlechte Entwicklung der Aufzuchtferkel – Wegbereiter für PMWS
  • Mehrere verschiedene PRRSV-Isolate in der Herde
  • Parallelinfektion mit SIV, porcinem Circovirus 2 (PCV2), oder M. hyo.

In den USA können Ausfallsraten von 10-20%  bei chronischen Lungenentzündungen in Mastherden, die durch Koinfektionen von PRRSV, PCV 2 und Mykoplasmen verursacht werden, auftreten. Dabei ist es noch unklar, ob das Circovirus alleine auch Lungenentzündungen hervorrufen kann, als Co-Faktor im PRDC ist dieses Virus jedoch zweifelsfrei sehr bedeutend.

Bei der Bekämpfung des PRDC ist nach einer sorgfältigen Erregerdiagnostik und Pig Flow Analyse der erste Schritt in der Sauenherde zu setzen.  Hier sind weitere diagnostische Profile (Serologie) zu erstellen, um den Gesundheitsstatus der Herde kennenzulernen. Erst eine erfolgreiche Stabilisierung des PRRSV in der Sauenherde verhindert eine ständige Neuinfektion der Absetzferkel. Die Kontrolle der bakteriellen Begleitinfektionen in der Saugferkelphase hat für die Produktion gutwüchsiger, gesunder Mastferkel höchste Priorität. Nach akkurater Diagnostik, des in der Sauenherde vorkommenden Bakterienspektrums und erfolgter Empfindlichkeitsprüfung der isolierten Bakterien sind Preweaning - Programme ein geeignetes Tool zur Verhinderung der bakteriellen Begleitinfektionen.

Des weiteren sind für den Mäster Maßnahmen der Hygiene und der Biosicherheit, wie Transporthygiene, strenge R+D Protokolle, Zutritts- und Personalhygiene notwendig, um die  eingestallten Tiere im Mastbetrieb weiter vor Infektionen zu schützen.

Maßnahmen zur Senkung des Infektionsdruckes im Mastbetrieb:

  • Aussortieren kranker Tiere in einen Isolationsstall
  • Euthanasie von Kümmerern
  • Konsequentes Rein / Raus, R+D Maßnahmen
  • Jede Herkunft eigenes Abteil (keine Mischmastversuche!)
  • Zutritts- und Personalhygiene (Hygienezonen) (BILD)
  • Stiefelwasch- und Desinfektionsanlage (BILD)
  • Konsequentes Wechseln der Nadel nach jedem Tier, zumindest nach jeder Bucht (Gefahr der Virusübertragung)
  • Kleine Buchten  mit dichten Trennwänden
  • Kein Umsortieren in der Mast

·         Belegdichte : mind. 0,75 m²

·         Gutes Stallklima

Die eingangs gestellte  Frage, ob der Mäster mit dem PRRSV zukünftig wird leben müssen, ist meiner Ansicht nach mit „NEIN“ zu beantworten. Überlegungen zu einer flächendeckenden Bekämpfung von PRRS werden bereits von vielen verantwortungsvollen Tierärzten angestellt. In den letzten Monaten haben auch jene Eberstationen, die bisher nicht überzeugt werden konnten, dass eine PRRS Virusausscheidung über den Samen möglich ist, erste Sanierungsschritte eingeleitet. Damit fällt eine weitere potentielle Infektionsquelle für bisher negative Betriebe weg. Einige Zeit werden wir uns aber noch in jedem Fall gedulden müssen. Es ist nicht zu erwarten, dass es in den nächsten Jahren zu einer EU weiten, und das ist bei einem gemeinsamen Markt mit nahezu unkontrollliertem Tierverkehr notwendig, PRRS Eradikation kommen wird. Die Änderung der Struktur der Schweinehaltungsbetriebe hin zu größeren Herden, gepaart mit einem höheren Hygieneverständnis der Betriebsleiter wird dabei wesentlich Vorschub leisten. Allen muss jedoch klar sein, dass neben den Ferkelproduktionsbetrieben auch die vorgelagerten Bereiche (Jungsauenproduktion), sowie die nachgelagerten Stufen (Schweinemast), Maßnahmen zu treffen haben, die das Ziel der PRRS Freiheit verfolgen. Das heißt, dass Mäster, um mit PRRS negativen Mastferkeln erfolgreich zu mästen, keine positiven Herkünfte einstallen dürfen und absolute Biosicherheitsmaßnahmen für ihren Mastbestand zu treffen haben. Anderenfalls können die negativen Mastferkel im Mastbetrieb mit  dem Virus infiziert werden und die Problematik kann größer werden als wenn positive Ferkel eingestallt worden wären.

Einzelne PRRS freie Betriebe mit vertikal angeschlossenem Mastsystem werden sich jedoch sehr bald und  sehr erfolgreich entwickeln.  Betriebe, die einen PRRS negativen Status besitzen, sollen diesen nicht leichtfertig durch unüberlegtes und unkontrolliertes Handeln aufs Spiel setzen. Nach einer Infektion kann dieser Status nur mehr mit großem finanziellen Aufwand zurückgewonnen werden. Die Zukunft wird der PRRS Freiheit gehören, es wird jedoch noch einige Zeit dauern, da neben der Umsetzung der fachlich zum Teil noch unklaren Sanierungskonzepte, auch die Vermarktungsstrukturen angepasst werden müssen.

 

PRRS Sanierung

Trotz aller Anstrengungen stellt uns die Krankheit immer wieder vor die gleichen Probleme, wie vor einigen Jahren. Die Gründe für die Erfolglosigkeit in der Kontrolle bzw Bekämpfung dieser Virusseuche sind vielfältig:

·     Das Virus ist stark mutationsfreudig, d.h. es verändert sehr häufig und leicht seine antigenetischen Eigenschaften, was dazu führt, dass oft keine Kreuzimmunität gegen diese neuen Stämme besteht.

·     Diese neuentstandenen veränderten Virusstämme, die auch in Österreich aus EU und US Isolaten hervorgehen, haben auch unterschiedliche pathogene Eigenschaften, was zu sehr heterogenen Krankheitsbildern in den einzelnen Herden führt.

·     Die durch das Virus ausgelöste Immunantwort ist derart ungewöhnlich, dass Impf- und Sanierungsstrategien oft erfolglos bleiben.

·     Die Art der Übertragung über Aerosole, physikalische und biologische Vektoren ist schlecht erforscht. Trotz rigorosester Maßnahmen in den Bereichen Hygiene und Biosicherheit scheinen Übertragungen zwischen Betrieben möglich zu sein.

 

PRRS Initiative

Bei der erfolgreichen  Bekämpfung der Aujeszky´schen Krankheit (AK) in vielen Ländern zeigte sich, dass Impfprogramme eine wesentliche Rolle in einer Sanierungsstrategie spielen können. Es steht für viele Forscher und Tierärzte außer Zweifel, dass PRRS - Bekämpfungsprogramme auf  Betriebsebene bereits erfolgreich sind, unklar ist jedoch die Vorgehensweise bei der Sanierung von Regionen oder ganzen Ländern. Im Gegensatz zur flächenhaften AK-Bekämpfung liegt bei der PRRS Sanierung das größte Problem  derzeit zweifellos darin, dass es sich beim AK-Virus um ein einheitliches Virus gehandelt hat, wobei der Feldstamm vom Impfstamm  unterschieden werden kann, was bei PRRS nicht der Fall ist.

Vor diesem Hintergrund wurde in den USA heuer ein von allen Interessenspartnern gemeinsam getragenes 13 Punkte Programm angekündigt mit dem klaren Ziel der Flächenbekämpfung dieser Krankheit. Schwerpunkte dabei werden die Impfstoffentwicklung, die Erforschung der Übertragungsmechanismen, die Sequenzierung des Virusgenoms, moderne Diagnostiksysteme zur Erkennung der persistent infizierten Tiere und ein umfassendes Schulungs- und Informationssystem zum Thema PRRS sein.

 

Bis zum Erreichen dieses Zieles der PRRS Freiheit unserer Schweinebetriebe sollen sowohl Ferkelproduktions- als auch Mastbetriebe die tierärztlichen betriebsbezogenen Standardarbeitsanweisungen (SAA) zu  Gesundheitsmanagement, Herdenimmunität, Pig Flow, Hygiene und Biosicherheit konsequent zur Optimierung ihrer Produktionsysteme und Sicherstellung der Rentabilität dieser Betriebszweige, umzusetzen.

Verfasser:

Dr. Wolfgang Schafzahl, Leiter der Tierklinik St.Veit
Fachtierarzt f. Ernährung und Diätetik
Fachtierarzt f. Schweine
Wagendorf 120
A-8423 St.Veit
 
Tel 03453 /4190
Fax 03453 /4190 22
wolfgang.schafzahl@styriavet.at

 
       

 

       
home  ||   A-8423 St.Veit, Wagendorf, Karwaldweg 2 Tel.: 03453 / 4190, Fax: 03453 / 4190-22