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PRRS u. Circovirus bei Zuchtsauen

PRRS Zuchtsauen

PRRS und Circovirus in der Ferkelproduktion – Mögliche Strategien am Einzelbetrieb unter Bedachtnahme unserer Betriebs- und Vermarktungsformen

 

Viele Schweinehalter, die ihren Sauenbetrieb jahrelang ohne größere Gesundheitsprobleme geführt haben, stehen oft über Nacht vor plötzlich aufgetretenen Umrauschproblemen bei den Sauen, Saugferkeldurchfall, Schnüffelkrankheit und ähnlichem. Meist kann sich der Landwirt diese bisher noch nie da gewesenen  Krankheitseinbrüche nicht erklären. Aus unserer langjährigen klinischen Erfahrung kann gesagt werden, dass heutzutage die Ursachen fast immer multikausal sind. Das heißt nicht ein einzelner Krankheitserreger (Virus, Bakterium,..) verursacht das Bestandsproblem, sondern viele Faktoren im Schweinebetrieb gemeinsam mit einem oder mehreren Krankheitserregern führen erst zur Krankheitsauslösung. Die Bakterien oder Viren können vorher bereits monate- oder jahrelang in diesem Bestand vorhanden gewesen sein aber beispielsweise erst die Bestandsaufstockung, die Umsiedelung in den neugebauten Stall, die Umstellung des Futterregimes, die neueingebaute Lüftungsanlage oder eine neue Betreuungsperson im Deckbereich können der Auslöser gewesen sein. Die Krankheit ist eine Funktion aus dem Erreger und seiner Umwelt.

Krankheit =¦{ Erreger, Umwelt (Haltung, Fütterung, Klima, Management)}

Wegen dieser Komplexität der Problemstellung sind heute völlig neue landwirtschaftliche und tierärztliche Sicht- und  Denkweisen hinsichtlich der  Gesunderhaltung und der dafür notwendigen Gesundheitsprogramme erforderlich.

Die Frage warum es überhaupt notwendig ist Bestände gesund zu erhalten, erklärt sich neben der ethischen Verantwortung des Tierhalters vor allem damit, dass gesunde Bestände, in denen wenige Krankheitserreger vorkommen leistungsfähiger sind, weil weniger Nährstoffe für das Immunsystem verbraucht werden und deshalb  dem Tier für Leistung (Muskelansatz, Milch,..) zur Verfügung stehen. Bei einem Krankheitsausbruch nimmt die Proteinbildung ab und der Proteinverbrauch zu.

Dieses Gleichgewicht wir im Wesentlichen von 3 Umständen beeinflusst.

  1. Die Futteraufnahme sinkt und der Aminosäurenverbrauch für die Krankheitsabwehr übersteigt die Zufuhr über die Nahrung.
     
  2. Aminosäuren werden zur Antikörperbildung gebraucht und führen zu Muskelabbau und auch zum Gewebsabbau im Verdauungstrakt
     
  3. Überproportionaler Abbau von Muskelgewebe zur Krankheitsabwehr ist nötig, da die Muskelzusammensetzung nicht jener der Antikörper entspricht.

In dieser kritischen Stoffwechsellage, werden neben dem Eiweiß auch Fettreserven abgebaut, um die für den Abwehrkampf notwendige Energie zur Verfügung zu stellen.

Diese Zusammenhänge können heute bereits recht gut quantitativ erfasst werden, und es ist gesichert, dass die Elimination der Krankheiten der Typen 1-3 der Tabelle mit einer Verbesserung der täglichen Zunahmen und der Futterverwertung einhergehen. Weiter wirtschaftliche Effekte liegen darin, dass neben höheren Magerfleischanteilen auch die Umtriebe in Aufzucht und Mast erhöht werden können.

Klassen

Kontrollmöglichkeit

Krankheiten

 

Typ 1

Sofort, einfach sanierbar !

Actinobacillus pleuropneumonia

 

 

Schweinedysenterie

 

 

Läuse, Räude

 

Typ 2

Höherer finanzieller Aufwand bei Sanierung

PRRS

 

 

Mycoplasma hyopneumonia

 

 

 

 

Typ 3

Schwierig, teuer,

Salmonella cholerasuis

 

 

Ileitis (PIA)

 

Reinfektion wahrscheinlich

Schweine Influenzavirus

 

 

Hämophilus parasuis

 

Streptococcus suis

 

 

Typ 4

Gesetzlicher Druck zur Sanierung

Humanpathogene Erreger:

 

 

z.B. Salmonella DT104

 

 

 

Dial, G., Rademacher, C., Wiseman, B., Roker, J., and Freking, B. 2002. Costs, consequences and control
of endemic diseases. Proceedings of the London Swine Conference. April 11-12, 2002.

 

 Wie ist ein Gesundheitsprogramm für Sauen effizient zu organisieren insbesondere was Impfungen betrifft ?

Mit dem Auftreten von PRRS vor einigen Jahren und dem durch Circovirus verursachten PMWS  / PDNS  sind wir mit 2 Krankheitssyndromen konfrontiert, die bis heute noch nicht völlig wissenschaftlich aufgeklärt sind und gegen die auch der beste Tierarzt noch kein „Pulver“  (wirksames Medikament) hat. Solche Problemfälle können nur mehr durch ein umfassendes integratives Gesundheitsprogramm kostengünstig und wirkungsvoll gelöst werden und vor allem zukünftigen Einbrüchen dieser Art vorbeugen. Nicht eine Einzelmaßnahme, wie eine Schutzimpfung, ein Futterzusatz,etc .., sondern die gleichzeitige Korrektur aller aus dem Gleichgewicht geratenen Einzelfaktoren im Betrieb ist dazu erforderlich.

Dabei hat ein Grundsatz zu gelten: Kontrolliere immer die Sekundärinfektionen und du ziehst dem Primärerreger, auch wenn er nicht direkt bekämpft werden kann, die Zähne.

Eine präzise Diagnostik, die neben der Erregerbestimmung vor allem die Umwelt des Schweines (Haltung, Fütterung, Management) sorgfältig zu analysieren hat, ist die unabdingbare Voraussetzung, um hier überhaupt langfristig erfolgreich zu sein. Die Summe, der daraufhin gemeinsam mit dem Landwirt festgelegten Maßnahmen, deren Umsetzung und deren regelmäßige Erfolgskontrolle  stellt erst ein  Gesundheitsprogramm dar.

Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigen, dass der Schaden von Krankheiten, durch Leistungsausfall und ähnlichem in der Größenordnung der 10-fachen Behandlungskosten liegt. Daraus lässt sich leicht der Nutzen von systematischen Gesundheitsprogrammen, erkennen.

 

Beispiel zum Inhalt eines Gesundheitsprogrammes:

Maßnahmen

Prüfungen zur Verlaufskontrolle

 

Art

Häufigkeit

Schutzimpfung der Sauen

Blutuntersuchung auf Antikörper

alle 4 Monate

Schutzimpfung der Ferkel (Mykoplasmen)

Tierarzt1

alle 4 Wochen

Preweaning Programm

Tierarzt

alle 4 Wochen

Herdenführung (Wochenrhythmus)

Sauenplanerauswertung

alle 3 Wochen

Pig Flow

Tierarzt

alle 4 Wochen

Personalhygieneplan

Tierarzt

alle 4 Wochen

Reinigungs-, Desinfektionsplan (R+D)

Abklatschproben

alle 4 Monate

Rattenbekämpfungsplan

Tierarzt

alle 4 Wochen

Entwurmungsplan

Kotuntersuchung

alle 6 Monate

Räudebekämpfungs- oder Sanierungsplan

Hautgeschabsel, Blutuntersuchung auf Antikörper

alle 6 Monate

Fütterungskonzept nach problembezogenen diätetischen Gesichtspunkten

Tierarzt

alle 4 Wochen

Tiergruppenbezogene Stallklimavorgaben

Datenlogger, Tierarzt

alle 6 Monate

Lichtprogramm im Deckzentrum

Luxmeter

alle 6 Monate

Eingliederungsplan, Neuzugänge, Jungsauenpool

Tierarzt

alle 3 Monate

KB - Management

Spermauntersuchung

alle 6 Monate

Beratung und Wirksamkeit von Behandlungs-maßnahmen (Arzneimittelanwendung)

gem.  TGD-VO

Tierarzt

alle 4 Wochen

Bestandsscreening

Blutuntersuchung auf Antikörper

alle 6 Monate

Anlage einer Serumdatenbank von Remonten

(Kryokonservierung)

Beurteilung paariger Serumproben oder zur Abklärung epidemiologischer Zusammenhänge

1)   Beurteilung der Maßnahmen durch den Tierarzt im Zuge seiner routinemäßigen Betriebsbesuche

 

Das PRRS Virus

Die Infektion mit dem PRRSV erfolgt vor allem nasal und oral. Wobei es bereits 12 Std. nach der Virusaufnahme zum Auftreten des Virus im Blut kommt, wo es bis zu 30 Tage verbleiben kann. Die Virusvermehrung findet hauptsächlich in der Lunge (Alveolarmakrophagen) statt. Die Ausscheidung erfolgt über Speichel, Harn, Kot, Samen. Außerhalb des Tieres kann es mehrere Tage infektiös bleiben.  

Die wichtigsten  klinischen Symptome bei Sauen sind:

  • Verferkeln in der Spätträchtigkeit ( 80. –110. Trächtigkeitstag)
  • Übertragen bis 120 . Trächtigkeitstag
  • Geburt, toter, lebensschwacher oder mumifizierter (50.-70. TT) Ferkeln
  • Vermehrtes Umrauschen (> 25%)

 

Das Circovirus (PCV 2)

Das PCV 2 ist weltweit vorhanden und es kann sowohl in gesunden als auch in kranken Tieren nachgewiesen werden. Verschiedene Faktoren, die zur Auslösung der verschiedenen Krankheitsbilder führen sollen,  wie Koinfektionen mit Parvovirus, PRRSV oder Mykoplasma hyopneumoniae, werden diskutiert. Ebenso der Einfluss von Impfungen, Genetik und Umwelt.

Verschiedene PCV 2 assoziierte Syndrome werden heute unterschieden:

  • Post-weaning multisystemic wasting Syndrome (PMWS)
  • Porcine Dermatitis and Nephropathy Syndrome (PDNS)
  • PCV 2-assoziierte Fruchtbarkeitsstörungen
  • PVC 2-assoziierte proliferative, nekrotisierende Pneumonie (PNP)
  • PCV 2-assoziierte Enteritis
  • PCV 2-assoziierter Congenitaler Tremor u. ZNS Erkrankungen
  • PCV 2-assoziierte Perinatale Myocarditis bei Ferkeln

Im Ferkelproduktionsbetrieb sind vor allem das Post-weaning multisystemic wasting Syndrome (PMWS) oder deren Folgen von Bedeutung, sowie das Porcine Dermatitis and Nephropathy Syndrome (PDNS), welches in letzter Zeit in Österreich immer häufiger in oft gesunden frohwüchsigen Mastschweinegruppen meist vereinzelt auftritt. Bisher waren eher Absetzferkel von diesem Krankheitssyndrom betroffen.  Ebenso bedeutungsvoll sind PCV 2-assoziierte Fruchtbarkeitsstörungen sowie PCV 2-assoziierter Congenitaler Tremor u. ZNS Erkrankungen, PCV 2-assoziierte Perinatale Myocarditis bei Ferkeln.

Entscheidend für die Diagnose PMWS (SORDEN, 2000) ist es, dass 3 Kriterien zugleich zutreffen müssen, um diese Diagnose zu stellen:

  1. Klinischer Befund: Kümmern, Atemnot, Gelbsucht, Durchfall
  2. Pathohistologie: Lymphozytendepletion
  3. Virusnachweis in Typischen Läsionen: in situ Hybridisierung

Der Nachweis von Circovirus allein reicht für die Diagnose PMWS nicht aus, da Circovirus auch in gesunden Schweinen vorkommt.

 

Maßnahmenplan gegen PMWS / PDNS

 

Abferkeln

  • Konsequentes Rein-Raus, R + D (Reinigung, Desinfektion ) Programm mit Abklatschkontrolle
  • Waschen der Sauen vor dem Einstallen
  • Parasitenbehandlung der Sauen vor der Einstallung
  • Ferkelversetzen wenn nötig, dann nur innerhalb der ersten 24 Std.

·         Preweaning Programm bei Saugferkeln (zB Excenel RTU®, Draxxin®)

 

Es handelt sich um eine metaphylaktische Maßnahme. Nach sorgfältiger bakteriologischer Untersuchung und Empfindlichkeitsprüfung wird eine Inlektionsbehandlung der Saugferkel mit einem Antibiotikum vor dem erwarteten Zeitpunkt der Besiedelung der Schleimhäute durch den Erreger durchgeführt. Solche Programme werden zur erfolgreichen Bekämpfung von Schnüffelkrankheit, Streptokokkengelenks- oder Gehirnhautentzündungen zur Verhinderung der Glässer´schen Krankheit (Hämophilus parasuis). Die erste Behandlung wird in den ersten Lebenstagen durchgeführt, die Zahl und der Zeitpunkt der weiteren Injektionen richtet sich nach der Art des Programmes. Der Erfolg der Maßnahme liegt in der Stärkung der Widerstandskraft der Tiere, durch Verhinderung bakterieller Infektionen, die damit ihr Immunsystem verstärkt zur Abwehr antibiotisch nicht  bekämpfbarer Virusinfektionen (Circovirus, ... ) einsetzen können.

Absetzen

  • Kleine Buchten (max. 30 Ferkeln) mit dichten Trennwänden

·         Konsequentes Rein-Raus, Reinigung, Desinfektion

  • Belegdichte: max. 3 Ferkel / m²

·         Fressplatzbreite: mind. 7 cm / Ferkel

·         Gutes Stallklima

·         Kein Sortieren der Ferkel, während der Aufzucht

·         Qualitativ hochwertiges Futter mit mind. 4 % Rfa

 

Vormast / Mast

  • Kleine Buchten  mit dichten Trennwänden
  • Konsequentes Rein-Raus, Reinigung, Desinfektion
  • Kein Umsortieren in der Mast

·         Belegdichte : mind. 0,75 m²

·         Gutes Stallklima

 

Allgemein

  • Einteilung des Betriebes in Hygienezonen  (färbige Overalls und Stiefeln)

           Umziehen vor jedem Betreten des anderen Abteiles im entsprechenden
           Hygienepunkt.

 

·         Lückenlose Impfprogramme ( Parvo,...) mit serologischer Erfolgskontrolle

·         Konsequente Kontrolle der bakteriellen Begleitinfektionen

o    Schnüffelkrankheit, Hämophilus parasuis, Streptococcus suis Typ 2, Durchfallerreger

·         Hygiene bei zootechnischen Maßnahmen

o    Kastration, Tätowieren, Impfungen, Zähneschleifen,..

·         Bedarfsgerechte Rezepturgestaltung (Vitamine, ...)

·         Sichere und hygienische Wasserversorgung

·         Sofortiges Aussortieren der Kümmerer in Isolationsstall (sehr wichtig !!)

·         Bei Injektionen eigene Nadel für jedes Tier oder nadellose Injektoren

 

Das konsequente Umsetzen aller vereinbarten Schritte innerhalb einiger Woche führt in der Regel zu einer schlagartigen Verbesserung der Leistungen (Verkürzung der Aufzuchtzeit um 2 Wochen) und zu einer Ausfallsrate im Normbereich. Es ist in dieser Frage dringend davor abzuraten nur einzelne ausgewählte Maßnahmen aus dem PMWS/PDNS Maßnahmenplan umzusetzen, da wir nicht sicher abschätzen können, welcher Faktor im jeweiligen Einzelfall die größte Bedeutung besitzt. Die sofortige sorgfältige Umsetzung aller Maßnahmen bringt den größten Erfolg und ist auch am wirtschaftlichsten. Lassen Sie das Herumdoktern mit Wundermitteln, es kostet nur Geld.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass Bestände gesund sein können, obwohl verschiedene Krankheitserreger darin vorkommen, wenn die Umwelt in Ordnung ist. Es zeigt auch, dass die traditionellen tierärztlichen Therapiemaßnahmen, die auf eine klar definierte Krankheit abgezielt haben, nur einen kleinen Teil, der zur Problemlösung erforderlichen Maßnahmen, ausmachen.

 

Innere Organisation eines Sauenbetriebes

Der professionelle Schweinehalter ist bestrebt, gesunde Ferkeln in großen Partien bei effektiver Stallplatzbelegung und rationellsten Arbeitseinsatz zu erzeugen. Dazu gibt es einige erfolgsbestimmende Faktoren:

  • Gesundheit durch konsequentes Rein-Raus
  • Effektive Nutzung der teuren Abferkelplätze
  • Bündelung von Arbeiten zur Erhöhung der Arbeitswirtschaftlichkeit
  • Große Ferkelpartien durch große Abferkelgruppen
  • Je größer die Sauenherde, desto enger der Wochenrhythmus

 

Deshalb setzen sich immer mehr Herdenführungssysteme im Wochenrhythmus (Ein-, Zwei-, Drei-, Vier- oder Fünfwochenrhythmus) gegenüber den kontinuierlichen Produktionssystemen durch, die jedoch höhere Anforderungen an das Management stellen.

 

 

Vor-/Nachteile von Rhythmussystemen

Vorteile

Nachteile

Erhöhung der Arbeitseffektivität

Schlechte Platznutzung der Abferkelabteile

Verbesserte Hygiene durch Zwang zum Rein-Raus

Manchmal hohe Arbeitsspitzen

Durchbrechung von Infektionsketten

Zerfall der Gruppen bei Umrauschern

Angepasste Klimaführung durch gleichaltrige Ferkel

Zwang zur KB

Leichtere Umsetzung systematischer Impfprogramme

Termingenaue JS-Eingliederung

Wurfausgleich kann leichter praktiziert werden

 

Gute Eingliederung umrauschender Sauen (3 WR)

 

Leichtere Einplanung sonstiger Arbeiten

 

Bessere Rausche der Sauen in Gruppen

 

Effizienteres Deckmanagement (Hofabsamung ?)

 

Zusammenfassend kann deutlich gesagt werden, dass sich die Rhythmussysteme neben der arbeitsorganisatorischen und hygienischen Verbesserungen, vorallem wegen der deutlichen wirtschaftlichen Vorteile in der spezialisierten Ferkelproduktion durchsetzen werden. Beim Übergang vom kontinuierlichen System in einen Wochenrhythmus ist in jedem Fall der Tierarzt, aufgrund seiner praktischen Kenntnis der einzelnen Systeme und seiner Erfahrung mit dem Einsatz biotechnischer Maßnahmen zur Zyklussteuerung, als Berater mit einzubinden.

 

Wieviele Impfungen braucht die Sau?

Das Wissen über Impfungen beim Schwein wächst rasant und beträchtliche Fortschritte sind in den letzen Jahren auf diesem Gebiet gemacht worden. Trotzdem muss klar zum Ausdruck gebracht werden, dass Impfungen kein Mittel sind, um Mängel in Hygiene, Fütterung, Klima, Management und Biosicherheit. Der durchschlagende Erfolg von Impfmaßnahmen stellt sich in viel häufiger in Spitzenbetrieben ein. Das Immunsystem ist sehr empfindlich auf Stressfaktoren wie Mangelernährung (Vitamine, Mineralstoffe,..) und hoher Keimdruck in kontinuierlichen Betriebssystemen. Das heißt im Klartext: Guter Impfschutz nur im hygienisch einwandfreien Betrieb. Ein häufiges Beispiel dafür ist die Erfolglosigkeit der Mykoplasmenimpfung im klinisch positiven Rhinitisbetrieb.

Ein für alle Betriebe gültiges Standardprogramm lässt sich nur mit größter Vorsicht erstellen und kann aus Gründen der fachlichen Sinnhaftigkeit (z.B. Warum sollte man gegen Schweineinfluenza impfen, wenn man damit keine Probleme zu erwarten sind?) nur ein Minimalprogramm sein. Zusätzlich muß man sich bei allen Schutzimpfungen darüber klar sein, dass  trotz korrekter Verabreichung seltenst 100% der Tiere einen belastungsfähigen Impfschutz aufbauen, da einzelne Tiere eine schlechte oder gar keine Immunantwort zeigen. Dies wird auch durch Krankheit oder Parasitenbefall der Tiere  beeinflusst. Daher sollte einer wirksamen Impfung eine sorgfältige Entwurmung und Enträudung vorausgehen.

Jeder Sauenbetrieb ab einer Größe von 10 Zuchtsauen sollte ein solches Basisgesundheitsprogramm im Sinne einer wirkungsvollen Krankheitsvorbeuge durchführen. Dabei ist bei Jungsauen im Alter von 22 Wochen nach vorangegangener Entwurmung und Räudebehandlung die 1. Grundimmunisierung gegen Rotlauf und Parvo durchzuführen, wobei die Auffrischungsimpfung 3 Wochen später erfolgen muß. Im Sinne einer wirtschaftlichen Risikobewertung und einer sachlichen Kosten-/Nutzenanalyse sollten bei der heutigen epidemiologischen Gesamtsituation Impflücken in jedem Fall vermieden werden.

Sollten die Jungsauen selbst aufgezogen werden, so sind sie in der 10. Lebenswoche das erstemal gegen Rotlauf zu impfen, was in spezialisierten JS-Vermehrerbetrieben seit Jahren Standard ist. Die Unterlassung dieser frühen Rotlaufschutzimpfung kann zu chronischen Gelenksentzündungen mit therapieresistenten Lahmheiten bei JS oder Jungebern führen.

Die Altsauen sind zyklusorientiert in der Säugezeit gegen Rotlauf und Parvo zu impfen, da in dieser Phase die beste Schutzwirkung rechtzeitig vor der nächsten Belegung erricht werden kann.. Zusätzlich hat dieser Impfzeitpunkt den Vorteil, dass einerseits zur Ausscheidung vorgesehene Sauen bereits ausselektiert sind und nicht mehr mitgeimpft werden müssen und andererseits Nebenwirkungen verschiedener Impfungen wie Fieberschübe bei Sauen mit „leerer Gebärmutter“ keine verlustreichen Aborte verursachen können. Jede Schutzimpfung stellt eine Stresssituation für das Tier dar, und kann  neben lokale Schwellungen, allergische Reaktionen oder Aborte verursachen, in der Praxis sind schwere Nebenwirkungen jedoch selten.

Es stehen heute eine Vielzahl von Impfstoffen zum Einsatz gegen verschiedene Schweinekrankheiten zur Verfügung.

Jeder Impfmaßnahme über das Standardprogramm hinaus soll neben der Beurteilung der Gesundheitssituation im Betrieb eine serologische Blutuntersuchung, oder abhängig von der jeweiligen Krankheit, die geeignete Diagnostik (z.B. Schnüffelkrankheit – Nasentupfer, Leptospirose – Dunkelfeldmikroskopie des Harnes, Influenza – Sektion, Immunfluoreszenz) zur Absicherung der Notwendigkeit vorangehen. Bei der Blutuntersuchung ist vor allem abzuklären, ob Tiere mit hohem und niedrigen oder gar keinen Antikörpertiter zur gleichen Zeit in einem Bestand vorkommen. Solche Bestände werden als „instabil“ bezeichnet und müssen als besonders gefährdet und zugleich impfwürdig angesehen werden. Um Impflücken zu vermeiden In PMWS Betrieben kann zur Sicherstellung eines belastungsfähigen Antikörperschutzes der Zuchtsauen auch eine Parvoimpfung der Zuchtsauen in der späteren Trächtigkeitsphase überlegt werden und größtmöglichen Schutz zu bieten müssen Impfprogramme konsequent durchgeführt werden.

Wird beispielsweise in einem Bestand eine Muttertierschutzimpfung gegen Colidurchfall und gegen Schnüffelkrankheit durchgeführt, so soll die Verabreichung, um nicht wiederholten Stress zu verursachen, zum gleichen Zeitpunkt an unterschiedlichen Ínjektionstellen erfolgen. Dabei können auch mehrere Impfungen ohne Wirksamkeitsverlust oder wesentliche Nebenwirkungen  verabreicht werden.

Zur Vermeidung einer Krankheitsübertragung innerhalb eines Bestandes von Tier zu Tier ist regelmäßig die Nadel zu wechseln. Moderne CO2  - betriebene nadellose Injektoren, die wir gerade im Praxistest haben, werden diesen Aufwand in naher Zukunft überflüssig machen.

In regelmäßigen Abständen, jedoch spätestens alle 4 Monate ist durch serologische Antikörperuntersuchungen der Impferfolg zu kontrollieren. Solche Seroprofile geben eine gute Übersicht über den Schutz einer Sauenherde.

Verfasser:
Dr. Wolfgang Schafzahl,
Leiter der Tierklinik St.Veit
Fachtierarzt f. Ernährung und Diätetik
Fachtierarzt f. Schweine
Wagendorf 120
A-8423 St.Veit
 
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