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Schweinefleischpreis im Supermarkt
   

Schweinefleischpreis

Die Kosten der niederländischen Schweinekette abgeklärt durch den "Verbraucher-Euro"

 

Wissenschaftler haben in einer Studie die Kostenverteilung der niederländischen Schweinefleischanbieter errechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Erzeuger letztendlich nur 6 % des tatsächlichen Marktpreises von frischem Schweinefleisch erwirtschaften.

Die Preise, die niederländische Bauern für ihre Schweine erhalten, sind unter Druck. Für viele Erzeuger wird es immer schwieriger, einen angemessenen Ertrag zu erzielen. Einerseits auf Grund von immer höher ansteigenden Produktionskosten, andererseits wegen zunehmenden Wettbewerbspartnern aus anderen Ländern wie etwa Spanien.
Obwohl die Bauern für die Kilos an Schweinefleisch wenig erzielen, sind die Preise in den Supermärkten stabil oder sogar steigend. Was verursacht diese Preiskluft? Tatsächlich wird diese Kluft durch verschiedene Faktoren verursacht – einschließlich zunehmender Kosten für Verarbeitung, Einzelhandel und Supermärkte; so werden nicht nur die Bauern mit den negativen Auswirkungen von zunehmenden Produktionskosten konfrontiert. Während die Kostenschere permanent ein Diskussionsthema darstellt, war es auch noch nie klar wie sich die Gewinnspanne innerhalb der Schweinekette aufteilt. Die Landwirtschafts- und die Armutsgruppe der Niederlande haben die Gelegenheit ergriffen, um diese Diskussion zu lösen und haben kurzer Hand das "Dutch Agricultural Economic Institute" (LEI) gebeten, die Kosten für die Schweinekette zu erheben und weiters zu analysieren, wie sich diese Kosten zusammensetzen.

"Verbraucher-Euro"
Der Preis von frischem Schweinefleisch in Supermärkten kann nicht direkt mit dem Preis verglichen werden, den Bauern für ihre Schweine erhalten, denn hier handelt es sich weder um dasselbe Produkt, noch um die gleiche Menge. Während des gesamten Ver- und Bearbeitungsprozesses reduziert sich die für den menschlichen Verzehr geeignete Menge an Fleisch um ungefähr 40 %; so bleiben zum Beispiel von einem 115 kg schweren Schlachtschwein, lediglich 70 kg zum Verzehr wie wir ihn kennen übrig.
Der "Verbraucher-Euro" gliedert nun die Kostenverteilung in der Wertschöpfungskette pro Euro Marktwert von frischem Schweinefleisch in den Supermärkten. Um die Kostengliederung eher zu ordnen und durchschaubarer zu machen, haben Wissenschaftler den "Verbraucher-Euro" eingeführt. Dieser teilt die Kosten von frischem Schweinefleisch in den gesamten Ver- und Bearbeitungsprozess auf. Es ist offensichtlich, dass die größten Kosten an die variablen Spezialkosten gebunden sind (Fütterung, Aufzucht, Stall-Management, Energieverbrauch, Tierarztkosten, etc.). Tatsächlich werden im Durchschnitt 36 % des "Verbraucher-Euro" direkt an den Produzenten gezahlt, von welchem ihm schlussendlich nur 6 % für seine Arbeit und sein Kapital bleiben.
Das bedeutet, dass bei einem jeweiligen Einzelhandelsverkaufspreis von € 6,16 pro kg frischem Schweinefleisch, der Bauer ungefähr € 0,40 für seine eigene Arbeit und Investitionskosten erhält. Das Schlachthaus, Entknöcherung und Bearbeitung haben einen jeweiligen Anteil am "Verbraucher-Euro" von 4 %, 8 % und 20 %. Auf den Einzelhandel fallen 24 % des Verkaufspreises.

Fleisch als "Kundenmagnet"
Weiters zeigt die Studie, dass Schweinefleisch, mit einem 26%igen Anteil an Regalplätzen in den Supermärkten, zu den meistgekauften Produkten zählt. Diese Tatsache macht Schweinefleisch zu einem wichtigen Produkt für Einzelhändler. Als eine der wichtigsten Fleischsorten, dient Schweinefleisch als Kundenmagnet und fungiert in weiterer Folge als Marktantreiber: die Kunden besuchen die Supermärkte zum Kauf frischer Produkte (wie etwa Schweinefleisch) und kaufen dann in weiterer Folge auch andere Produkte. Dies lässt den Umsatz als auch den Ertrag der Einzelhändler ansteigen, auch wenn es hier zwischen den einzelnen Supermärkten Unterschiede gibt.

Resultat der Niedrigpreise
Obwohl Billigfleischaktionen gut für den Einzelhandel sind, ist es unsicher ob diese Maßnahmen auch für die gesamte Wertschöpfungskette positiv sind. Wird beispielsweise der Preis eines bestimmten Produktes reduziert, müssen mehr und mehr Schweine geschlachtet werden um der gesteigerten Nachfrage nachzukommen. Ein Ergebnis hiervon ist ein Überschuss von anderen Schlachtkörperteilen, die für den Export verkauft werden müssen. Das kann zu einem Problem werden und weiters vermindert es den Preis von Schweinefleisch in den Supermärkten.
Die Studie richtet die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die Fleischindustrie ihre Werbemaßnahmen und ihre Werbepolitik für Fleisch verstärken und verändern muss; zum Beispiel, in dem man die Aufmerksamkeit der Aktionen auf alle Teile des Schweins richtet. Das kann das Ansehen und die Wirtschaftlichkeit von Schweinefleisch in der Wertschöpfungskette erheblich anheben. Wie auch immer, Einzelhändler sind hauptsächlich auf (Preis-) Wettbewerb und Marktanteil konzentriert. Einzelhändler vermeiden strukturiertes und partnerschaftliches Zusammenarbeiten mit ihren Lieferanten, um ihnen Verhandlungsspielraum in der Einkaufspolitik zu geben. Das macht es schwierig für die Einzelhändler, sich den wirtschaftlichen Probleme der Wertschöpfungskette anzunehmen. Die Kette sollte stattdessen zum Ziel haben, durchwegs getrieben durch die Nachfrage, wertvoller für den Einzelhandel zu werden. Diese Einstellung beispielsweise würde den gewünschten Spielraum für alternative Formen von Werbekampagnen schaffen.

Gegenwärtige Aufgaben
Um die zahlreichen Trends hervorzuheben, die die Schweinewertschöpfungskette beeinflussen, erwähnt die Studie wie die Anzahl an internationalen Mitbewerbern zunimmt. Die Produktionskosten in den Niederlande sind relativ hoch und manchmal ist es ziemlich schwierig, da die die Konsumentennachfrage nicht in das traditionelle System passt.
Wenn man diese Entwicklungen in Aufgaben übertragen würde, so zeigt die Studie drei Handlungspunkte für die Schweinewertschöpfungskette auf:

- die Position als wertvoller Lieferant unter Verbrauchern und Einzelhändlern verstärken
- die Produktivität erhöhen
- die Verbesserung der Beziehungen innerhalb der Wertschöpfungskette

Eine andere wichtige Aufgabe für die Schweineindustrie ist Erneuerung. Einzelhändler schlagen vor, dass sich die Anbieter von Frischeprodukten von einem Produktions- zu einem Kontrollblickpunkt verändern sollen – also von angebotsgerichtet zu kundenorientiert. Weiters wird vorgeschlagen, dass die Anbieter vertrauter mit den Supermarktformeln und ihren Verbrauchern werden, um ausschlaggebende, frische Produktneuheiten einzuführen. Anbietern von frischen Produkten fehlt im Moment das nötige Wissen von Verbrauchern und vom Markt.
Zusätzlich fluktuieren die Preise von Schlachtschweinen und Teilen von Schlachtschweinen wöchentlich. Der Einzelhandel bevorzugt die Arbeit mit eher gleich bleibenden Ankaufspreisen. Weitere Möglichkeiten von ruhigeren und reibungsloseren Preisbewegungen von Schlachtschweinen sollten hier ausgekundschaftet werden. Es ist nach weiteren Möglichkeiten und einem ruhigeren Schweinemarkt mit weniger Preisbewegung zu suchen!

Offenheit und Vertrauen
Letztendlich war es klar festgelegt, die Schweineindustrie muss realisieren, dass es nötig sein wird, gute (lang andauernde) Beziehungen aufzubauen. Neben Zusammenarbeit auf höchstem Level, sollte genauso der Informationsaustausch in der Schweinewertschöpfungskette angeregt werden. Dieser Austausch von Informationen ist kein Standardverfahren, besonders über mehrere Wege, aber es ist nötig, Qualität wie auch Wirtschaftlichkeit in der Kette zu verstärken. Hier richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Verbindung zwischen Offenheit und Vertrauen. In der gegenwärtigen Situation bildet das Fehlen von Vertrauen einen sehr kleinen Rahmen der Zusammenarbeit und Abwicklungskosten sind hoch. Eine Verstärkung der Beziehung zwischen Schweinebauern und Schlachthäusern kann nur erreicht werden, wenn eine strukturierte Vorgangsweise gewählt wird, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Die Studie schließt ab mit der folgenden Vision: "Die Schweinewertschöpfungskette der Zukunft wird sich durch die Zusammenarbeit und den Wettbewerb zwischen den einzelnen Abläufen charakterisieren. Treffen werden den Abgleich auf die Handlungen des anderen maximieren; dies benötigt gegenseitige Einsicht in die Aktivitäten, Handlungen und Interessen des anderen."

Zusätzliche Wertvorteile
Der heutige Produktmarkt charakterisiert sich durch moderne Trends, wie etwa die zunehmende Nachfrage für Fertiggerichte, kleinere Portionen und mehr Abwechslung. In den Augen der Endverbraucher ist Schweinefleisch eher ein "Rohstoffprodukt", das erst ver- und bearbeitet werden muss, als eine ausgezeichnete Delikatesse. Der Kaufpreis wird immer wichtiger wenn es um Einkaufsentscheidungen geht. Deshalb bedarf es einer strukturierten Veränderung im Produktionsablauf, der sich von angebotsorientiert zu marktkontrolliert wandelt. Das Problem mit dieser Veränderung der Ausrichtung ist, dass sich über längere Zeit hinweg nur Gewinne einstellen werden.
Momentan konzentriert sich die Fleischindustrie nicht genügend auf den Verbraucher. Die Fleischindustrie befasst sich eher mit der Lösung von kurzfristigen Problemen, die etwa die Produktsicherheit und den Tiergesundheitsstatus betreffen. Ein anderer wichtiger Faktor für Schweinebauern ist, dass sich tatsächlich nur 30 % der niederländischen Produktion mit den Ketten von Tierfütterungsanbietern und Fleischverarbeitung befassen. Man rät, nach Produkten mit erhöhtem Wert zu suchen, die den aktuellen Konsumententrends entsprechen (schmackhaft, gesund, bequem). Dies wird einerseits dem Verbraucher helfen, anderseits den Einzelhändler darin unterstützen, die Konsumentenwünsche zu erfüllen. Produkte mit größerem Zusatznutzen geben zusätzlich Spielraum für Investitionen in beiderlei Hinsicht: Produkterneuerung und Neuerung der Ketten.

Undurchschaubares System
Den Nettopreis, den niederländische Bauern für ihre Schweine erhalten, wird durch verschiedene Zu- und Abschläge zum Grundpreis festgelegt. Das alles führt zu ei-nem undurchsichtigen System, dass nicht mit anderen Preissystemen verglichen werden kann. Vermutlich führt dies zu einer ungünstigen Marktposition der Bauern und Misstrauen gegenüber anderen Teilnehmern in der Wertschöpfungskette. Die niederländische Gemeinschaft für Schweineproduzenten (NVV) hat die Nettopreise am Markt über mehrere Jahre verglichen und ist zu dem Entschluss gekommen, dass es für die Bauern sehr wichtig ist, sich immer nach der aktuellen Marktsituation zu richten. In der EU beispielsweise führt die deutsche ISN die Preisvergleiche durch.


Die Kosten der niederländischen Schweinekette abgeklärt durch den "Verbraucher-Euro"
aus: Pig Progress Volume 20, No. 10 2004, www.agriworld.nl

         
       
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